Antibiotika aus der Wabe
Tags:Antibiotika, chronische Wunden, Honig, Resistenz Allgemein, Infektionen Kein Kommentar »Bären lieben ihn, Menschen mögen ihn als süßen Brotaufstrich. Aber auch anders angewandt, leistet Honig Erstaunliches. Denn Honig ist auch Medizin. Besonders der Manuka-Honig aus Australien und Neuseeland, der von den Bienen von der Südseemyrte eingesammelt wird. Sie ist (so weiß ich aus Wikipedia) eine Verwandte des australischen Teebaums, dessen Extrakte inzwischen auch in Apotheken und Drogerien die Regale füllen.
In „Microbiology“ haben nun Forscher aus dem britischen Cardiff gezeigt, dass der süße Brei einen unangenehmen Bewohner der Haut und Schleimhaut daran hindert, es sich dort behaglich zu machen. Ungestört bildet Streptococcus pyogenes Biofilme aus. Mit diesem fast undurchdringlichen Zuckerschichten schirmen sich Erreger gegen Angriffe des Immunsystems aber auch mechanischer und chemischer Saubermacher wie Bürste und Seife ab. (Wer etwas über Biofilme im Mund wissen will, mein DocCheck-Artikel erzählt mehr darüber)
Etwas Honig zu den Bakterien in der Kulturschale samt fertig ausgebildeten Biofilm. Zwei Stunden später blieben nur mehr 15 Prozent der Streptokokken übrig. Wo genau der Honig bei der Annäherung Mensch-Bakterium angreift, ist noch nicht klar. Vielversprechnder Kandidat ist aber die Bindung an menschliches Fibronektin, das ein Startsignal für den Biofilm-Aufbau gibt. „ Wir haben herausgefunden, dass Honig die Anzahl der Oberflächenproteine auf der Bakterienzelle verringert und damit die Fibronektin-Bindung hemmt“, sagt Sarah Maddocks, die Leiterin der Forschungsgruppe.
Rund 80 verschiedene Bakterienarten kann dieser medizinische Honig am Wachstum hindern, ein Wissen, das sich schon die Maori, Ureinwohner Neuseelands, für die Behandlung ihrer Wunden zunutze gemacht haben. Vielleicht hilft damit die erschwingliche Medizin auch Hi-Tech-Kliniken, die kein Mittel mehr gegen multiresistente Bakterienstämme haben. Chronische Wunden machen inzwischen ein fünfundzwanzigstes der Gesundheitskosten in Industrieländern aus. Bisher haben Bakterien noch keine Mittel gefunden, sich gegen das süße Gift zu wehren.
Anmerkung: Warum man schon seit langer Zeit um die medizinische Bedeutung des Naturprodukts weiß und dennoch noch nicht weiter in de Entwickliung zum Arzneimittel ist? Vielleicht, weil sich die Pharmaindustrie damit kein Geld verdienen kann? Was wird aus den teuren Antibiotika, wenn Bienen die Fermenter ersetzen?
Zu lesen gibts die Forschungsergebnisse HIER.
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